Am 15. April 2026 fand im JUKUZ Aschaffenburg der erste Jugendworkshop im Rahmen des Projekts Erinnerungsort Schöntal statt. Eingeladen waren alle weiterführenden Schulen in Aschaffenburg. Die Schulen konnten jeweils bis zu fünf Schülerinnen und Schüler ab der 9. Jahrgangsstufe entsenden. Knapp 40 Jugendliche folgten der Einladung. Auch Lehrkräfte waren anwesend und begleiteten den Workshop.
Im Mittelpunkt des Workshops stand nicht die Tat. Der Vormittag war auch kein Gedenkakt. Vielmehr ging es darum, jungen Menschen in einem geschützten Rahmen Raum für ihre Fragen, Wahrnehmungen und Erfahrungen zu geben. Das war besonders wichtig, weil das Thema für viele weiterhin belastend ist. Die Jugendlichen sollten ernst genommen werden und zugleich konkrete Handlungsmöglichkeiten für ihren Alltag kennenlernen.
Unter dem Titel „Ein Satz hilft“ beschäftigten sich die Jugendlichen damit, wie schon eine klare, gut gewählte Reaktion helfen kann. Zivilcourage bedeutet nicht, sich selbst in Gefahr zu bringen oder Heldin oder Held sein zu müssen. Zivilcourage beginnt oft früher: hinschauen, eine Grenze setzen, Unterstützung holen, Betroffene nicht allein lassen und im richtigen Moment deutlich machen, dass Ausgrenzung, Hass oder Gewalt keinen Platz haben.
Ein wichtiger Bestandteil des Workshops war die Auseinandersetzung mit den eigenen Werten. Die Jugendlichen machten sich bewusst, was ihnen persönlich wichtig ist, wo ihre Grenzen liegen und welche Haltung sie in schwierigen Situationen leitet. Denn die eigenen Werte sind eine zentrale Grundlage dafür, wann man in Konfliktsituationen einschreitet und wie man dabei handlungsfähig bleibt.
Dabei ging es sowohl um Situationen im direkten Miteinander als auch um den digitalen Raum. Die Jugendlichen sprachen über Erfahrungen aus Schule, Freizeit und sozialen Medien. Sie diskutierten, wann Wegsehen problematisch wird, wie man in schwierigen Situationen ruhig bleiben kann und welche Sätze helfen können, ohne die Lage weiter eskalieren zu lassen.
Geleitet wurde der Workshop von Marco Jodes. Er verbindet psychologische, beratende und tanzpädagogische Expertise mit langjähriger Erfahrung in der Arbeit mit Gruppen. Er führte sehr dynamisch und zugleich feinfühlig durch den Vormittag. So entstand eine Atmosphäre, in der Bewegung, Austausch und persönliche Reflexion miteinander verbunden wurden.
Die Stimmung im JUKUZ war offen, lebendig und sehr engagiert. Die knapp 40 Jugendlichen brachten viele eigene Gedanken ein. Besonders deutlich wurde, dass junge Menschen sehr genau wahrnehmen, wo Respekt, Zusammenhalt und Mut im Alltag gebraucht werden.
Die Schülerinnen und Schüler sollen die Impulse nun in ihre Schulen hineintragen. Sie können dort als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren wirken, Gespräche anstoßen und Mitschülerinnen und Mitschüler für Zivilcourage, Verantwortung und ein respektvolles Miteinander sensibilisieren.
Der Workshop war als Auftakt angelegt. Auf seiner Grundlage sollen weitere Formate entwickelt werden, die junge Menschen stärken und ihnen konkrete Möglichkeiten geben, Haltung zu zeigen. Damit wird der Bildungsauftrag des Erinnerungsortes Schöntal bereits vor seiner baulichen Umsetzung mit Leben gefüllt. Der Workshop im JUKUZ hat gezeigt, wie wichtig es ist, junge Menschen einzubeziehen und ihnen zuzutrauen, Verantwortung für ein friedliches und respektvolles Zusammenleben zu übernehmen.